BCM und Security sind die Themen, die heute alle beschäftigen. Neue Aspekte und Fragestellungen haben sich dabei aufgetan, von Collaboration über Home Office bis Remote Services. Vor allem für die Betreiber kritischer Infrastrukturen wurde das „Heute“ zum Härtetest … und liefert zugleich wichtige Erkenntnisse für das „Morgen“.

Was hat sich bewährt, und wo bedarf es künftig neuer Ansätze? Wie kommunizieren Krisenstäbe künftig miteinander? Wie schafft man einen sicheren Datenaustausch, wenn zugleich eine Flut neuer Collaboration- und Kommunikations-Tools eingesetzt wird? Warum ist gerade bei BCM und Security ein Austausch von Best Practices so wichtig? Wie abhängig wird man auch in der IT im Notfall?

Reichlich Stoff für eine hochkarätige Diskussion. Für eine geballte Runde von CIOs und CISOs systemrelevanter Organisationen: Gerald Berger (AK-Wien), Christopher Ehmsen (T-Systems Austria), Erich Feichtenschlager (Oberösterreichische Gesundheitsholding), Franz Hoheiser-Pförtner (Stadt Wien / Wien Digital), Daniel Kissler (T-Systems Austria), Reinhard Kucera (VERBUND), Stefan Lenzhofer (nic.at), Christian Neubauer (BARMHERZIGE BRÜDER), Rupert Schindler (Energie Steiermark), Thomas Schneider (illwerke vkw) und Günther Tschabuschnig (ZAMG).

Und zusätzlich angeregt durch Facts und Q&As rund um die NIS-Richtlinie in der Impulse Note von Daniel Kissler, Cyber Security Experte unseres Co-Hosts T-Systems, eine der ganz wenigen qualifizierten Prüfstellen für die NIS-Richtlinie in Österreich. Moderiert wurde die Diskussion von Michael Dvorak, Herausgeber von DIGBIZ LEADER Media & CIO GUIDE.


„Die größte Herausforderung ist, die Organisation und die MitarbeiterInnen fit für neue Arbeitssituationen zu machen.“

GERALD BERGER

Designierter Sicherheits- und Risikomanager, AK-Wien

„Die größte Herausforderung ist, die Organisation und die MitarbeiterInnen fit für neue Arbeitssituationen zu machen.“

GERALD BERGER

Designierter Sicherheits- und Risikomanager, AK-Wien
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„Es reicht nicht, ein Jobprofil auf Online zu erweitern und zu modernisieren, sondern man muss die Menschen auch schulen und sie mit den richtigen Skills befähigen, um dieses Profil dann ausfüllen zu können.

Wir haben den Präsenzbereich komplett abgebaut und fahren ihn auch nur in kontrollierten Schritten mit strengen Vorkehrungen wieder hoch. Zugleich haben wir das Service per Telefon und online entsprechend stark forciert.

Es gibt viele Erkenntnisse, auf die sich jetzt aufbauen lässt: Beispielsweise die Erkenntnis, wie dynamisch und rasch IT-Projekte umgesetzt werden können, wenn es die nötige Akzeptanz und Unterstützung dafür gibt. Oder, dass sich bestimmte Jobprofile ins Home Office auslagern lassen, von denen man es nicht für möglich gehalten hat. Aber auch, dass es andere gibt, wo das nicht möglich ist. Man muss bestimmte Dinge wirklich probieren, um zu wissen, was funktioniert und was nicht … und genau das haben wir jetzt getan.“

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„Mit der Etablierung des Home Offices ist der End User noch viel stärker in den Fokus gerückt. Und zwar von allen Seiten.“

CHRISTOPHER EHMSEN

Head of Expert Sales Security, T-Systems Austria

„Mit der Etablierung des Home Offices ist der End User noch viel stärker in den Fokus gerückt. Und zwar von allen Seiten.“

CHRISTOPHER EHMSEN

Head of Expert Sales Security, T-Systems Austria
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„Aus der IT heraus gilt es ihn so zu unterstützen, dass er gut arbeiten kann, und aus der Security heraus gilt es zugleich zu gewährleisten, dass dieses Arbeiten sicher und nicht gefährdend für das Unternehmen abläuft.

Wir beobachten über unser SOC, dass auch die Cyber-Crime-Angriffsstrategien jetzt noch um vieles stärker über Social Engineering und Phishing-Mail-Attacken auf die End User abzielen, um die Unternehmen anzugreifen.

Die Krise hat auch den Blick auf systemrelevante Bereiche verändert und erweitert. Man hat gesehen, dass hier nicht nur die Betreiber kritischer Infrastrukturen und Dienste hineinfallen, sondern dass es etwa im Krankenhausumfeld oder im Handel eine Reihe von Lieferanten gibt, die in solchen Zeiten Dienstleistungen erbringen, die hyperkritisch sind, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Man braucht mehr als Strom und Kommunikation, damit eine Gesellschaft intakt bleibt und damit die Menschen sich sicher fühlen.

Wenn man von einem Tag auf den anderen von mehreren 100 Mitarbeitern auf ein paar 1.000 im Home Office umschwenken muss, ist das natürlich eine Gratwanderung. Wenn ich da Dinge wie Business Continuity Management im Unternehmen schon gut etabliert habe, bin ich damit besser zu Recht gekommen. Aber unterm Strich war es für alle ein Schock und hat bei fast allen viele neue Fragen aufgeworfen und auch eine Reihe von Erkenntnissen und Learnings gebracht. Und die werden uns noch längere Zeit beschäftigen.“

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„In Oberösterreich haben wir mehrere Krankenhausbetreiber und mussten in den Krisenstäben dementsprechend übergreifend kommunizieren. Unser Video-Conference-System, das wir on premise betreiben, war da ein wichtiger Bestandteil.“

ERICH FEICHTENSCHLAGER

CTO / Medizininformatik und Informationstechnologie, Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH

„In Oberösterreich haben wir mehrere Krankenhausbetreiber und mussten in den Krisenstäben dementsprechend übergreifend kommunizieren. Unser Video-Conference-System, das wir on premise betreiben, war da ein wichtiger Bestandteil.“

ERICH FEICHTENSCHLAGER

CTO / Medizininformatik und Informationstechnologie, Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH
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„Gerade in der übergreifenden Kommunikation und Collaboration hat die Digitalisierung große Fortschritte gemacht. Zum Beispiel in unserer Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz bei den Drive-In-Corona-Teststellen. Die Daten gehen vollautomatisiert ins Labor, werden dort verarbeitet und werden beispielsweise in Richtung Register weitergeleitet.

Gerade in der Telemedizin wird diese Entwicklung viele neue Ideen ermöglichen. Aber natürlich auch beim Neuen Arbeiten – mit einem Mix aus Präsenz vor Ort und Home Office. Eine Erkenntnis war, dass man gerade als IT weniger Anwesenheit vor Ort braucht, als man vielleicht meint.

Wir haben allerdings auch Abhängigkeiten vor Augen geführt bekommen, besonders deutlich natürlich bei der Lieferung von Schutzkleidung. Da ist die allgemeine Erkenntnis, dass wir diese Artikel auch lokal herstellen müssen. Ähnliches gilt auch im Bereich von IT-Services und Software-Produkten. Wie viel On Premise brauchen wir auch in der IT, um in solchen Krisen im Notfall auch ohne Internet arbeiten zu können? Das wird eine spannende Frage, die wir aus der Krise mitnehmen, und mit der wir uns eingehend befassen werden müssen.“

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„Die verschiedensten Bereiche müssen sich übergreifend fragen: Welche Dinge brauche ich, um nicht wie bei der Schutzkleidung oder bei Medikamenten in völlige Abhängigkeit zu geraten.“

FRANZ HOHEISER-PFÖRTNER

Cyber Security Specialist, Magistrat der Stadt Wien / Wien Digital; Stellvertretender Leiter ELGA CISO AG / Vertreter der Bundesländer,

„Die verschiedensten Bereiche müssen sich übergreifend fragen: Welche Dinge brauche ich, um nicht wie bei der Schutzkleidung oder bei Medikamenten in völlige Abhängigkeit zu geraten.“

FRANZ HOHEISER-PFÖRTNER

Cyber Security Specialist, Magistrat der Stadt Wien / Wien Digital; Stellvertretender Leiter ELGA CISO AG / Vertreter der Bundesländer,
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„Das Thema Autonomie ist in vielen Punkten sehr klar geworden, am deutlichsten natürlich im Krankenhausbereich: Vom Essen bis zur Dialyse muss hier alles just in time passieren, und damit das funktioniert, sind viele Lieferanten mit ihren Kerndienstleistungen notwendig.

Was die IT und digitale Tools betrifft, geht es dabei nicht nur um Hard- und Software oder um Cloud-Lösungen und Internet. Es geht vor allem auch um Personal und Ausbildung … und zwar nicht nur für die Top Jobs. Die jungen Menschen, die heute Ausbildungsplätze suchen, müssen wir künftig mit Rahmenbedingungen, Lösungen und Skills ausstatten, die sie in solchen Szenarien handlungsfähig und unabhängig von Software- und sonstigen Lieferanten machen.

Dieser und einer Reihe anderer Diskussionen müssen wir uns stellen, auch wenn sie unangenehm sind. Wir müssen zum Beispiel auch über Themen wie die Corona App diskutieren und sie im Hinblick auf Datenschutz und Grundrechte hinterfragen können, ohne gleich als Blockierer verunglimpft zu werden.

Und wir dürfen uns über den Umstand, dass die großen Unternehmen mit dem Digitalisierungsschub in der Krise größtenteils gut zurecht gekommen sind, nicht darüber hinweg täuschen, dass es bei den KMUs und EPUs hier noch Nachholbedarf gibt für Österreich und Europa. Und mit der zunehmenden Vernetzung etwa bei Lieferketten wird dieser Bedarf immer größer und dringender.“

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„Ich glaube, dass wir uns im Bereich Business Continuity künftig leichter tun, weil wir nicht zum fünften Mal eine Krise üben, sondern die Pläne wirklich umsetzen mussten.“

DANIEL KISSLER

Senior Security Manager Cyber Security, T-Systems Austria

„Ich glaube, dass wir uns im Bereich Business Continuity künftig leichter tun, weil wir nicht zum fünften Mal eine Krise üben, sondern die Pläne wirklich umsetzen mussten.“

DANIEL KISSLER

Senior Security Manager Cyber Security, T-Systems Austria
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„Es ist wichtig, Business Continuity über den Ausfall von IT und Internet hinaus zu betrachten: Was ist, wenn ich zum Beispiel mein Büro nicht mehr betreten kann beziehungsweise darf? Bei BCM wird das Unternehmen als Ganzes betrachtet und nicht nur die IT. Solche Fragen dürfen in den Plänen nicht untergehen. Wir sind als T-Systems in den Bereichen BCM (ISO 22301) und ISMS (ISO 27001) zertifiziert und hatten in den letzten Wochen selbst Herausforderungen und auch Learnings.

Eine Krisensituation und die Notwendigkeit für BCM sind jetzt nichts mehr etwas, was die CIOs und CISOs predigen, sondern was tatsächlich passiert ist. Und das hat hoffentlich nachhaltig etwas bewirkt. Zum Beispiel einen neuen Stellenwert des Home Offices, das teilweise belächelt wurde, und jetzt im Härtetest funktioniert hat.

Natürlich gab es auch technische Limitierungen wie Bandbreiten und Probleme wie etwa, dass Unternehmen nicht alle Mitarbeiter auf der VPN-Lösung lizenziert hatten. Aber in Summe sind viele Unternehmen mit der Situation gut fertig geworden.

Allerdings muss man bedenken, dass die meisten keinen 100 Prozent-igen Regelbetrieb fahren. Unternehmensprozesse, die nicht businesskritisch sind, wurden hintenan gestellt, zum Beispiel Themen wie die Reisekostenabwicklung. Da stellt sich in Zukunft die Frage: Wie kann man solche Themen auch aus dem Home Office abbilden? Wenn man das weiterspinnt und sein Unternehmen zu 100 Prozent Home-Office-funktionsfähig machen wollte, würde man auf viele solche Fragen und Fallstricke stoßen, die sich auf dem Weg von der Ausnahmesituation in den Regelbetrieb auftun, und die jetzt noch gar nicht ersichtlich sind.“

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„Bei neuen digitalen Tools, die wir in der Krise eingeführt haben, fahren wir einen Mix aus Enabeln und Monitoren. Grundsätzlich gehen wir vorerst immer davon aus, dass wir sie nur auf Zeit ermöglichen.“

REINHARD KUCERA

CISO VERBUND

„Bei neuen digitalen Tools, die wir in der Krise eingeführt haben, fahren wir einen Mix aus Enabeln und Monitoren. Grundsätzlich gehen wir vorerst immer davon aus, dass wir sie nur auf Zeit ermöglichen.“

REINHARD KUCERA

CISO VERBUND
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„Aus Sicht der Security halten wir uns einen Weg frei, um wieder zurückzugehen oder etwas im Notfall auch sofort wieder abschalten zu können. Viele der digitalen Lösungen, die durch die Covid-Krise eingeführt wurden, gehen nahtlos in den operativen Betrieb über, vorausgesetzt, es ist verhältnismäßig und risikobasiert.

Wenn die Covid-Krise vorbei ist, werden wir das eine oder andere auch wieder auf den Stand Vor-Corona zurücksetzen. Unsere neue VPN-Lösung oder Video Collaboration Tools, die sich bewährt haben, werden wir beispielsweise allerdings weiterführen. Denn es ist klar, dass sich die Arbeitswelt verändern wird, und dies soll auch durch entsprechende Digitalisierungslösungen unterstützt werden.“

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„Welche realen Ausfälle von Kernkomponenten gibt es? Und welche Szenarien, die mich zum Handeln zwingen. Das gilt es genau zu betrachten, zu üben und in Prozessen abzuarbeiten.“

STEFAN LENZHOFER

CISO, nic.at

„Welche realen Ausfälle von Kernkomponenten gibt es? Und welche Szenarien, die mich zum Handeln zwingen. Das gilt es genau zu betrachten, zu üben und in Prozessen abzuarbeiten.“

STEFAN LENZHOFER

CISO, nic.at
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„Wenn zum Beispiel direkte Kundenkontakte und Kundencenter ausfallen, ist es alles andere als trivial, diese auf Home Offices zu verteilen.

Wenn jemand an einem Zoom-Meeting teilnehmen möchte, stellt sich die Frage: Worüber wird dabei gesprochen und was ist das Ziel des Meetings? Wenn über geschäftskritische Dinge geredet wird, muss man das im Rahmen einer Risikoanalyse betrachten, ob die Methode für dieses Zeitfenster die beste oder einzig mögliche ist, oder ob es Alternativen gibt. Wenn es um ein Krisenmeeting geht, in dem der Vorstand eine rasche Entscheidung treffen muss, und der am Flughafen gerade festsitzt, ist es das Risiko höchstwahrscheinlich wert. Man muss sich dieses Risiko allerdings bewusst machen.

Ich finde die NIS-Richtlinie sehr ausgeklügelt, weil sie einen rechtssicheren Raum bietet, um wichtige Informationen weiterzuleiten und zu teilen. Und solch einen Austausch, gerade auch branchenübergreifend, erachte ich gerade im Security-Bereich, für extrem wichtig und nötig.“

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„Unser größtes Learning war, dass wir gesehen haben, wie man gezielte Information sehr rasch an die Mitarbeiter bringen kann. Der traditionelle Weg, der Flurfunk, ist ja sofort komplett weggefallen.“

CHRISTIAN NEUBAUER

IT-Leiter der österreichischen Ordensprovinz, BARMHERZIGE BRÜDER Österreich

„Unser größtes Learning war, dass wir gesehen haben, wie man gezielte Information sehr rasch an die Mitarbeiter bringen kann. Der traditionelle Weg, der Flurfunk, ist ja sofort komplett weggefallen.“

CHRISTIAN NEUBAUER

IT-Leiter der österreichischen Ordensprovinz, BARMHERZIGE BRÜDER Österreich
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„Gleichzeitig galt es Themen extrem kurzfristig zu kommunizieren, etwa, welche Eingänge im Krankenhaus am nächsten Morgen für die Mitarbeiter und welche für die Patienten bestimmt sind. Für solche Infos haben wir binnen kürzester Zeit eine eigene Mitarbeiter-App ausgerollt, damit wir alle so schnell wie möglich erreichen … über private Geräte und über gesicherte Verbindungen. Die Mitarbeiter haben das auch sofort genutzt und selbst auch sehr aktiv nach Infos gesucht. Über E-Mail lässt sich solch ein Effekt nicht erzielen. Die App ist eines der Dinge, die wir auch künftig nutzen werden.

Es war eine riesige Herausforderung, binnen kürzester Zeit 700 Leute auf Home Office umzustellen. Gleichzeitig haben wir viele geplante Projekte und vor allem Changes auf ein Minimum reduziert, um im Fall einer zweiten Welle sofort die Notbremse ziehen zu können. Und wir sind dann erst langsam in einen gemischten Modus aus Krisenmanagement und Normalbetrieb übergegangen.

Wir hatten sehr viele Krisensitzungen, bei denen es über verschiedene Institutionen hinweg eine Reihe von Video- oder Telefonkonferenzen gab, und je nachdem, wer der Einlader war, immer wieder ein anderes Tool eingesetzt wurde. Das mit der Sicherheit des Unternehmens in Einklang zu bringen, ist eine Gratwanderung. Deshalb stimmen wir uns etwa mit anderen Krankenhäusern gerade ab, um hier die Tools zu konsolidieren und auf ein gemeinsames Portfolio zugreifen zu können.“

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„Wir haben auch beziehungsweise gerade während der Krise ein ISO 27001-Rezertifizierungsaudit komplett virtuell durchgeführt. Das war ein wirklich ausgezeichnetes Learning für ein ISMS-System für die Zukunft.“

RUPERT SCHINDLER

Bereichsleiter IT & Telekommunikation, Energie Steiermark Technik GmbH

„Wir haben auch beziehungsweise gerade während der Krise ein ISO 27001-Rezertifizierungsaudit komplett virtuell durchgeführt. Das war ein wirklich ausgezeichnetes Learning für ein ISMS-System für die Zukunft.“

RUPERT SCHINDLER

Bereichsleiter IT & Telekommunikation, Energie Steiermark Technik GmbH
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„Wir haben schon lange ein sehr aktives Krisenmanagement etabliert, bei dem auch sehr viel getestet und geprobt wurde, auch Pandemieszenarien. Die meisten Szenarien gehen davon aus, dass man Probleme bei der Stromversorgung oder der Kommunikation hat. Es war spannend zu sehen, dass dann in der Realität die größte Herausforderung eine ganz andere war, nämlich die Mitarbeiter und die Krisenstäbe physisch nicht mehr versammeln zu können.

Nachdem wir unsere Infrastruktur schon weitgehend krisentauglich gemacht hatten, mussten wir bei der Umstellung auf Home Office kaum Kompromisse in Sachen Security eingehen. Die Risikobilder, die sich neu aufgetan haben, gilt es jetzt einfach zu bewerten. Das sind zum Teil ganz simple Dinge, etwa, wenn jemand daheim im Home Office etwas ausdruckt und die Ausdrucke dann daheim herumliegen.

Vor allem gilt es die guten Dinge, die jetzt entstanden sind, auch künftig mitzunehmen und zu nutzen. Nur Home Office wird es nicht geben, die Challenge ist, einen Mix für die neue hybride Arbeitswelt zu definieren. Dazu gehören auch neue Mechanismen … für die Führungskräfte genauso wie für die Mitarbeiter. Das ist weniger ein technisches als vielmehr ein kulturelles Thema. Deshalb haben wir jetzt übergreifende Arbeitsgruppen aufgesetzt, um Antworten zu finden … letztlich auf die Frage: Wie arbeiten wir künftig im Unternehmen zusammen?“

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„Wir haben einiges ausgerollt und zwar unter der Prämisse, dass wir konkrete Services definitiv auch wieder zurückzufahren werden, und haben das auch von vorne herein öffentlich so kommuniziert.“

THOMAS SCHNEIDER

Informationssicherheitsbeauftragter / CISO, illwerke vkw AG

„Wir haben einiges ausgerollt und zwar unter der Prämisse, dass wir konkrete Services definitiv auch wieder zurückzufahren werden, und haben das auch von vorne herein öffentlich so kommuniziert.“

THOMAS SCHNEIDER

Informationssicherheitsbeauftragter / CISO, illwerke vkw AG
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„Wir hatten dabei den Vorteil, dass wir sehr rasch reagiert haben und die Mitarbeiter erreichen konnten, solange sie noch in ihren Büros waren. So konnten wir zum Beispiel sofort über unsere neue Kommunikationsplattform agieren. Wir haben allerdings auch zeitgleich sukzessive mit operativen Maßnahmen begonnen, um die neuen Tools abzusichern und auch durch andere ersetzen zu können, die uns sicherer und eher zukunftsweisend erscheinen.

Die Krise war für uns also ein massiver Antrieb, um die Digitalisierung in der Kommunikation stark voranzutreiben, aber zugleich auch, um Sicherheitsmechanismen einbauen zu können, die ansonsten nicht so rasch ohne große Diskussionen eingeführt worden wären. Gleichzeitig haben wir die neuen digitalen Kommunikationswege auch massiv genutzt, um die Awareness der Mitarbeiter für Schulungen und für Sicherheit zu gewinnen, wie es vorher auch nicht in der Form möglich gewesen wäre. Daraus werden wir unterm Strich viel Gewinn ziehen können, denke ich.

Es gibt jedoch auch Lessons learned, wie etwa die Abhängigkeit von Produktions- und Bestellwegen. Wir haben gesehen, dass es für ein paar engagierte Leute möglich ist, sehr rasch hunderte Masken zu nähen. Das funktioniert bei Komponenten in der Energiebranche nicht so einfach. Ein Trafo, der Höchstspannungen umwandeln muss, lässt sich nicht in der Werkstatt um die Ecke wickeln und bauen, genauso wenig wie relevante Software-Produkte.“

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„Unser Vorteil war, dass wir die interne Vernetzung in den letzten Jahren schon stark aktiv vorangetrieben haben, um die IT als strategischen Partner für die Kollegen aus den anderen Bereichen zu positionieren.“

GÜNTHER TSCHABUSCHNIG

Bereichsleiter IT / Head of Division IT, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik - ZAMG

„Unser Vorteil war, dass wir die interne Vernetzung in den letzten Jahren schon stark aktiv vorangetrieben haben, um die IT als strategischen Partner für die Kollegen aus den anderen Bereichen zu positionieren.“

GÜNTHER TSCHABUSCHNIG

Bereichsleiter IT / Head of Division IT, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik - ZAMG
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„Das hat uns in dieser Situation sehr geholfen. Denn es war spannend, sehr rasch zu sehen, dass die IT-Abteilung nicht reicht, um die digitalen Anforderungen in solch einer Situation zu meistern. So etwas bedeutet eine Querschnittsthematik über die ganze Company, und dafür ist die bereichsübergreifende Vernetzung und der Austausch, wie andere Abteilungen damit umgehen und welche Probleme sie haben, extrem wichtig.

Der andere Vorteil, auf den wir in den letzten Wochen aufbauen konnten, ist unsere ausgeprägte Prozessorientierung. Die hat uns auch und gerade beim oft sehr kurzfristig notwendigen digitalen Rollout vieler Dinge extrem geholfen, von Datenmanagement-Systemen bis hin zum Virtual Desktop.

Klare Prozesse bringen Transparenz. Transparenz die gerade in der Krise eine Möglichkeit ist, die Kommunikation zu fördern. Es ist aktuell nun mal nicht möglich, in die IT-Abteilung zu gehen, und um Hilfe bei dem einen oder anderen Collaboration Tool zu bitten. Hier helfen aber Zuständigkeiten und ein kundenorientierter Ansatz, den wir für unsere externen, aber auch unsere internen Kunden forcieren.

Diese Prozessorientierung hilft uns auch bei einer anderen spannenden Erkenntnis, nämlich, dass längst nicht alle Tools, die wir zur Verfügung gestellt haben, auch entsprechend genutzt wurden. Wir haben uns die Prozesse hier sehr genau angesehen und haben diese Lessons learned auch schon in unser QM-System einfließen lassen, um vor allem für die Zukunft daraus zu lernen und Tools nicht letztlich um der Tools willen auszurollen, sondern die Digitalisierung und den Nutzen daraus zugleich immer mitzudenken.“

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